Im Interview mit Ricarda Mikschovsky – warum sollten Frauen Kampfsport betreiben?

Alina FerrufinoAlina10. April 2019

Ricarda Mikschoysky trainiert bereits seit ihrem siebten Lebensjahr, angeregt durch ihren Vater, der selbst Taekwondo-Trainer ist. Sie war Staats- und Landesmeisterin in der Juniorenklasse, bei der Austrian Open 2017 erzielte sie im Team den 2. Platz und bei einem Turnier in Deutschland wurde sie vor kurzem Zehnte von 525 Teilnehmerinnen. Trotz drei- bis fünfmal Training pro Woche im Taekwondo-Verein Tragwein und zusätzlichem Ausdauersport hat die Linzerin die Freude an der Sportart nicht verloren. Wir sprachen mit ihr, warum es wichtig ist als Frau Kampfsport zu betreiben.

Stell dich kurz vor, deine sportliche Bio und warum du Kampfsportlerin geworden bist, d.h. von wo kam die Motivation?

-Mein Name ist Ricarda Mikschovsky und ich bin 24 Jahre alt. Im Alter von 7 Jahren habe ich den Kampfsport Taekwondo für mich entdeckt. Mein Vater war Trainer bei uns im Verein, wodurch ich die Chance hatte gleich mal in diesen Sport hinein zu schnuppern. Seit meinem 7. Lebensjahr ist Takwondo ein Teil von mir und wäre nicht mehr weg zu denken. Der Sport hat mich geprägt und meine Entwicklung sehr positiv beeinflusst.
Ich fuhr von Anfang an immer wieder bei Nachwuchtunieren mit und mit dem 1. Dan (1. schwarzer Gurt), kamen dann auch größere Meisterschaften wie Austrian Open aber auch Europa- und Weltmeisterschaften dazu.

Viele Menschen haben Vorurteile den Kampfsportarten gegenüber. Glaubst du, dieser Sport macht eher aggressiv oder eher friedlich? Stichwort: Straßenkämpfer

-Ich verstehe Leute die gegenüber Kampfsportarten Vorurteile hegen. Als jemand der nicht in der Szene ist, wirken diese Sportarten auch sehr brutal – zumindest der Vollkontakt. Jedoch besteht Taekwondo und auch andere asiatische Künste nicht nur aus dem Nahkampf, sondern aus ganz vielen verschiedenen Disziplinen. Darum ist es auch, Gott sei dank, nur ein Vorurteil und entspricht meiner Meinung nach nicht der Wahrheit. Beim Kampfsport geht es im erster Linie um Respekt vor sich und seinen Gegnern. Wie bei jedem anderen Sport fühlt man sich danach leichter, besser. Man wird durch das Training eher ruhig und gelassener als aggressiv. Man lernt seine Aggressivität (sollte diese vorhanden sein) im Zaum zu halten.
Zum Stichwort Straßenkämpfer: Es wird immer wieder Leute geben, welche ihr Wissen und Können auf der Straße präsentieren. Diese sind jedoch nicht der Regelfall. Wird bekannt, dass jemand eines Kampfsportvereines einen anderen angegriffen oder sogar verletzt hat, wird dieser sofort vom Verein verwiesen. Der Kampfsport wie er in Österreich betrieben wird hat 2 große Ziele:
Die Selbstverteidigung und der sportliche Aspekt, um fit zu bleiben, oder sich mit anderen messen zu können wie beim Skifahren oder anderen Sportarten.

Was unterscheidet Kampfsport von anderen Sportarten für dich?

-Meiner Meinung nach liegt der große Unterschied in den Werten welche einem vermittelt werden. Die wichtigsten sind respektvoller Umgang mit anderen, Disziplin, Genauigkeit und Durchhaltevermögen. Ein Kampfsport prägt die eigene Persönlichkeit immens. Er stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Konzentration und die Agilität des eigenen Körpers.

Respekt und Angstüberwindung – ist das das Faszinierende am Kampfsport? Bzw. was fasziniert dich daran?

– Respekt und Angstüberwindung sind zwar ein Thema im Taekwondo, sind aber nicht die Dinge, welche mich daran faszinieren. Um diesen Sport wirklich beherrschen zu können, muss man jede einzelne Faser seines Körpers kennen. Man benötigt eine Menge Präzision um die Techniken richtig auszuführen. Um bis ganz an die Spitze zu gelangen muss man immer wieder an sich arbeiten, um Schritt für Schritt besser zu werden. Das ist es, was mich daran so fasziniert.

Gibt es Kampfsportarten, die für Frauen besonders gut sind?

-Ich wüsste jetzt nicht unbedingt eine spezielle Kampfsportart, die für Frauen geeigneter ist. Wichtig ist, meiner Meinung nach, dass der Aspekt der Selbstverteidigung auch genügend behandelt wird. Das ist aber von Verein zu Verein unterschiedlich. Jede Kampfsportart hat einen Hauptteil, um das sich alles dreht. Wenn man sich rein der Selbstverteidigung halber entschließt einem Verein beizutreten, würde ich Krav Maga empfehlen.

Was können Frauen von Kampfkunst/ Kampfsport lernen?

– Das aller wichtigste, was Frauen durch Taekwondo lernen ist selbstbewusst zu sein bzw. ein selbstbewusstes Auftreten zu haben. Je selbstsicherer eine Frau wirkt, desto niedriger ist das Risiko von jemanden angegriffen zu werden. Außerdem fühlt man sich dadurch als Frau sicherer, vor allem Nachts wenn man alleine nach Hause geht. Man weiß, im Notfall könnte ich mich wehren, was meiner Meinung nach die Lebensqualität um einiges verbessert. Es wird einem die Angst genommen!

Welche Herausforderung reizt dich beim Kampfsport?

– Die Herausforderung welche mich am meisten reizt ist mich selbst zu besiegen. Immer besser zu werden, als ich es früher war. Ich starte nach wie vor auf vielen Meisterschaften und setze mir immer als Ziel dieses Mal besser als das letzte Mal zu sein. Die große Kunst im Kampfsport ist nicht jemand anderen, sondern sich selbst zu besiegen.

Wie gehen deine männlichen Kollegen im Training mit dir um?

– Da der Kampfsport eher männerlastig ist, habe ich vorwiegend männliche Kollegen. Das ist jedoch keineswegs ein Nachteil! Sie sehen mich genauso gleichwertig als Trainingspartner wie jeden anderen auch, nehmen jedoch ihre Kraft etwas zurück wenn es drauf an kommt. In den 15 Jahren in denen ich bis jetzt Taekwondo trainiere, hatte ich nie das Gefühl nicht hineinzupassen, respektlos behandelt zu werden oder gar als schwächer dargestellt zu werden.

 3 Gründe warum Frauen noch heute mit dem Kampfsport anfangen sollten?

-1. Weil man damit ein Selbstbewusstsein erlangt, mit dem man nicht rechnet. Je selbstbewusster eine Frau ist, desto weniger strahlt sie eine „Opferrolle“ aus.
2. Um überall alleine hingehen zu können und keine Angst haben zu müssen, und dadurch etwas nicht machen oder verpassen, an dem man gerne teil genommen hätte.
3. Um mal richtig die Sau raus zu lassen und sich seinen Ärger runterzutrainieren. Der Kampfsport wirkt sehr ausgleichend, was auch im Berufsleben einen positiven Effekt bewirkt.

Welche Voraussetzungen sollten Kampfsport-Anfänger mitbringen?

– Die einzigen Voraussetzungen, die ein Kampfsportanfänger benötigt ist Motivation und Geduld. Bis man alle Techniken richtig beherrscht benötigt es viel Training und somit auch etwas Zeit. Immer wieder an sich selbst zu feilen sollte einem Spaß machen und vorantreibend wirken.

Möchtest du noch etwas los werden?

-Es ist nie zu spät mit Kampfsport zu beginnen. Egal ob mit 10 oder mit 50 Jahren. Das tolle am Kampfsport ist, dass dieser bis ins hohe Alter betrieben werden kann und einen fit hält. Wichtig ist auch, keine Angst davor zu haben. Im Training werden die richtigen Werte vermittelt und miteinander sehr respektvoll umgegangen, egal ob Frau oder Mann, Kind oder Erwachsener. Ich hoffe ich konnte hiermit einigen die Vorurteile nehmen, welche über Kampfsportarten überall bekannt sind und würde mich freuen auch bei uns im Verein neue Gesichter kennen zu lernen.

 

 

(Foto: Facebook/Ricarda Mikschoysky)

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