Kristin Wieninger: ein diszipliniertes und ehrgeiziges Karategirl

Alina FerrufinoAlina30. Oktober 2017

Die ehemalige Sportgymnasiastin Kristin Wieninger, 19, vom UKC Zen Tai Ryu HAK St. Pölten katapultierte sich schnell mit viel Training und harter Disziplin in die Weltliga der Kata-Damen. Mit gerade einmal 16 Jahren gelang ihr als erste österreichische Kata-Sportlerin der Sprung unter die Top Ten der Karatewelt.

Derzeit nimmt sie den tollen fünften Rang im Ranking der World Karate Federation ein. Ausschlaggebend für den Aufstieg der ehemaligen Leistungssport-Gymnasiastin ist bestimmt ihr positives Umfeld, das durch optimales Zusammenwirken von Elternhaus,Verein, Verband und dem Heeressportleistungszentrum gehalten wird. Wir trafen sie mitten in den Vorbereitungen auf ihre letzte Jugend-Weltmeisterschaft in Tenerifa. Mit uns sprach das Karategirl über ihre sportlichen Erfolge, Ziele und Wünsche.

Kampfsport1.at: Hallo liebe Kirstin, danke, dass du heute mit uns etwas plauderst. Erzähl doch unseren Lesern etwas über dich und deine sportlichen Anfänge.

Kristin Wieninger: Ich bin 19 Jahre alt und seit ich sechs Jahre bin mache ich Karate. Ich bin durch meinen älteren Bruder dazugekommen. Er ist zwei Jahre älter und, weil man erst ab sechs Jahren mit dem Karate anfangen darf, habe ich zwei Jahre lang zugeschaut. Als ich endlich sechs Jahre alt wurde, konnte ich es kaum erwarten mit diesem Sport anzufangen.

Du hast dann bestimmt einen kleinen Vorteil gehabt durch deinen Bruder, oder?

-Ja, als ich noch Anfängerin war, wusste ich schon fast alles, weil ich immer meinem Bruder zugesehen und mitgemacht habe. Ich wusste schon da, dass das mein Sport wird.

Du bist auch im Nationalteam, wann warst du das erste Mal dabei?

-Mit 14 Jahren; da habe ich auch bei meiner ersten Jugend-Europameisterschaft teilgenommen. Das hat sich dann so gut entwickelt, sodass ich dann mit 16 ins allgemeine Klassenationalteam aufgenommen wurde. Ich war auch die jüngste die an einer allgemeinen Klasse-WM partizipiert hat. 2018 bin ich dann sogar fünfte bei der WM in Linz geworden.

Du hast schon viel erreicht in deinem so jungen Leben, wie weit möchtest du noch gehen?

-Olympia, Tokio 2020, weil Karate jetzt olympisch geworden ist. Das ist etwas sehr Erstrebenswertes für mich, aber mein Hauptziel ist es einmal eine Medaille bei einer WM zu ergattern. Um Bronze durfte ich schon kämpfen, aber leider verloren.

Du bist noch jung und kannst das bestimmt noch erreichen!

-Stimmt, meine Gegnerin bei diesem Kampf war beispielsweise doppelt so alt wie ich. Das zeigt auch, dass ich nicht so schlecht sein kann. Außerdem trainiere ich auch richtig hart um einmal richtig gut zu werden.

Stichwort: Vorbereitungen, was gehst du da durch?

-Ich mache Kata, das ist quasi Schattenboxen. Da mache ich die Techniken und Bewegungen in der Luft nach. Bei einem Wettkampf präsentiert sich jeder einzeln und, wenn der letzte vor mir dran ist, dann schließe ich meine Augen und gehe im Geist den Ablauf noch einmal durch. Das ist meine Vorbereitung direkt davor.

Wer unterstützt dich bei einem Wettkampf?

-Marianne und Erhard Kellner, meine langjährigen Trainer und Martin Kremser, unser Sportdirektor betreuen mich direkt am Ort. Sonst unterstützt mich auch das Bundesheer. Ich bin als Heeresleistungssportlerin hauptangestellt.

Du verdienst also schon richtig dein Geld mit dem Karate?

-Ja, genau; nach meiner Matura bin ich direkt zum Bundesheer als Berufs bzw. Leistungssportlerin gegangen.

Wie lange kann man das dort machen?

-Maximal zehn Jahre, aber ich möchte in Zukunft ein Physiotherapie-Studium machen.

Und was steht dieses Jahr noch an?

-Die Jugend-WM in Tenerifa Ende Oktober. Das wird meine letzte sein, da ich schon 19 bin und im September Geburtstag habe. Es geht sich genau um zwei Monate nicht aus, dass ich bei der nächsten teilnehmen kann. Meine Gegner werden dann alle zwei Jahre älter als ich sein und das Alter im Karate macht schon viel aus.

Was erwartest du dir von deiner letzten Jugend-WM?

-Eine Medaille – das wäre ein Traum.

Du bist ja mittendrin in den Vorbereitungen, wie sieht ein Trainingsalltag bei dir aus?

-Ich habe zweimal am Tag unter der Woche Training. Am Wochenende haben wir meistens Wettkämpfe, wenn nicht, dann wird auch samstags trainiert und Sonntag ist Ruhetag. Kata-Wettbewerbe sind immer am Vormittag um etwa 8/9 Uhr, daher beginnen unsere Frühtrainings auch um 8 Uhr und dauern 2 bis 2 1/2 Stunden. Am Abend wiederholt sich das. Trainiert werden nur meine Katas in der Wettkampfsaison.

Deine Freizeit verbringst du wie?

– Da ich nicht mehr in die Schule gehe, besteht mein ganzer Tag aus Karate. Einmal pro Woche muss ich mich auch zur Standskontrolle im Heeresleistungszentrum melden. Sonst beschäftige ich mich mit Fotografie und lese gerne.

Abschließend, warum sollte man mit Karate beginnen?

-Man lernt Disziplin und man lernt vor allem Kontrolle über sich selbst. Karate ist eine kontrollierte Kampfsportart ohne ganz durch zuschlagen und einer tiefgründigen Philosophie. Bei Wettkämpfe darf man weder reden noch schimpfen. Geschieht dies dennoch, wird man disqualifiziert. Also ein perfekter Sport um seinen Körper kennenzulernen und diszipliniert zu werden.

Vielen Dank und viel Erfolg!

 


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